Zu Besuch bei meinem Patenkind Naomi (Mai 20)

Ende Februar durfte ich an einer Reise vom Verein KIPA Kenia nach Ngong teilnehmen. Sehr eindrücklich war der Besuch bei der Familie von unserem Patenkind Naomi.

Sie wird bald 11-jährig und hat sechs ältere Schwestern. Beide Eltern sind Gelegenheitsarbeiter. Sie wohnen in einer Wellblechhütte im Slum.

Besuch in der Schule von Naomi
Am Vormittag besuchten wir die Tagesschule von Nicole Visser, wo auch Naomi zur Schule geht. In einer Klasse von Nicole Visser mit etwas älteren Kindern, wurden wir von den Schülern auf Deutsch begrüsst: «Wie heisst du?» - «Von wo kommst du?» fragten sie im Chor. Wir waren sehr beeindruckt! Ungeniert durften wir den Schülern im Unterricht über die Schultern schauen. Alles machte einen sehr positiven Eindruck. Die Kinder waren sehr eifrig bei der Arbeit.
In der Pause wechselte ich in die Klasse in welcher Naomi den Unterricht besuchen darf. Sie erkannte mich sofort und freute sich sehr. Wir begrüssten uns herzlich. Es war ein berührender Moment, Naomi zum ersten Mal persönlich zu treffen. Ich durfte mich dann neben sie setzen und den weiteren Unterricht mitverfolgen. Naomi meldete sich mehrmals und ging sogar an die Wandtafel, um eine Rechnung zu erklären. Ab und zu lächelte sie mich etwas verlegen an und kicherte mit den anderen Mädchen neben ihr. Sie scheint den Schulstoff gut zu begreifen. Ich durfte auch einige Fotos und Videos machen. Die Kinder lächelten fröhlich in die Kamera.
Der Unterricht war eher laut im Vergleich zur Schweiz. Der Lehrer repetierte mit lauter Stimme den Stoff, welchen sie vor den Ferien behandelt hatten. Die Kinder riefen laut «Well done» und klatschten, wenn jemand eine Frage richtig beantwortet hatte. Die Atmosphäre war sehr konzentriert. In der Mittagspause gingen wir nach draussen und zum Essen in den extra dafür erstellten Bau neben dem Schulhaus. Nach dem Essen spielten die Kinder im grossen Schulhof, wo ich wieder auf Naomi und ihre Freundinnen traf. Sofort wurde ich von ihnen in Beschlag genommen, sie drängten sich alle um mich. Sie wollten unbedingt meine weisse Haut und die Haare berühren. Fast musste ich etwas um Distanz kämpfen. Die Nähe war für mich eher ungewohnt, aber ich liess mir natürlich nichts anmerken.

Besuch bei der Familie im Slum
Am Nachmittag, nach dem Schoscho-Gottesdienst mit den Grossmüttern und Grossvätern, war es dann soweit: Ich durfte Naomi nach Hause zu ihrer Familie begleiten. Wir gingen umringt von anderen Kindern den Weg zu ihrer Hütte im Slum. Es kamen noch andere aus unserer Reisegruppe, sowie Nicole Visser und ein einheimischer Mitarbeiter mit zu Naomi. So wurde es ein halboffizieller Besuch, was es mir etwas leichter machte. Die Hütte machte einen äusserst ärmlichen Eindruck. Die Mutter begrüsste mich eher distanziert, vielleicht auch etwas unsicher, war es doch auch für sie eine besondere Begegnung. Bei der Ankunft hielt sie eines ihrer Enkelkinder auf dem Arm und gab ihm sofort eine Banane, welche ich ihr geschenkt hatte. Lebensmittel sah ich sonst keine im Haus. Zu meiner Erleichterung konnten wir ihr etwas Geld geben, damit sie Essen kaufen konnte. Ich hatte leider nicht daran gedacht, etwas Essbares zu den Geschenken zu legen. Normalerweise muss die Mutter auf Geld hoffen, welches der Vater abends von der Arbeit heimbringt, sofern er es nicht bereits für Alkohol ausgegeben hat. Wir gingen in die Hütte hinein und beteten für die Familie. Es war sehr ergreifend, besonders da bei Naomi Tränen zu sehen waren. Das wurde auch für mich fast zu viel. Die Situation war eher traurig, aber die Begegnungen umso herzlicher. Wir durften auch einen Blick in den zweiten Raum werfen, welcher als Schlafstelle der Eltern dient und unter dem Dach aufgehängte Kleider beherbergt. In der Regel schlafen dort die Eltern und das jüngste Kind. Die anderen Familienmitglieder schlafen im engen Wohnraum, wo nur alte Polstermöbel und ein wackeliger Tisch stehen. Die «Küche» der Familie besteht aus einer improvisierten Kochstelle und ein paar Plastikbecken und Metalltellern auf einem Gestell. Keine Spur von Nahrungsmitteln, kein Strom und kein fliessendes Wasser, der Boden nur Erde und das Wellblechdach löcherig. Pure Armut also.

Zum Abschied gabs dann noch einmal Tränen bei Naomi, sie tat mir leid. Die Zeit war gekommen um Abschied zu nehmen und wir durften die Familie unter Gottes Obhut stellen. Ich hoffe, dass Naomi die Schule erfolgreich beenden und später ihre Familie mit Geld unterstützen kann.

Bericht von Regina Wermelinger

 

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