
Meine Zeit in Kenia (Sarah Noa)
Nun ist es schon mehr als 5 Monate her, seit ich ins Flugzeug nach Nairobi gestiegen bin, um mich auf mein bisher größtes Abenteuer einzulassen.
In diesem kurzen Erfahrungsbericht möchte ich dich gerne in meine bisherige Zeit mitnehmen und dir darüber berichten, wie mein Leben hier aussieht.
Zuerst benötigst du jedoch ein wenig Vorwissen. Mein Name ist Sarah Noa. Ich bin 19 Jahre alt, Bernerin und seit letztem Sommer gelernte Fachfrau in Kinderbetreuung. Schon immer hatte ich die Vision, eines Tages nach Afrika zu gehen und mich in meinen Begabungen und meinem Herz für Kinder von Jesus gebrauchen zu lassen. Durch eine Frau meiner Kirchgemeinde erhielt ich den Kontakt von Hilla Schmid von Kipa Kenya und lernte sie und ihren Ehemann René kennen und traf so schließlich Barbara. Barbara ist die Gründerin und Mama unserer Großfamilie „Youth for Hope“ hier in Ngong, nahe bei Nairobi
Wir waren uns nach unserem Treffen schnell einig, dass wir beide große Freude daran hätten, wenn ich für einige Monate in der Familie leben und arbeiten würde. So kam es dann auch. Für mich war alles von Anfang an total in den Händen Gottes.
Anfang Oktober 2024 kam ich dann endlich an und lernte alle Familienmitglieder kennen. Neben Dutzenden Externen, welche von Youth for Hope unterstützt werden, leben aktuell 13 Kinder und 8 junge Erwachsene fix im Haus.
In meinen ersten Wochen war alles neu und total aufregend für mich. Ein neues Land, neue Straßen, eine neue Sprache, eine neue Kultur und sogar eine neue Familie.
Ich wollte unbedingt so viel wie möglich dazulernen und mich auf all das Neue einlassen.
An der Seite von unseren 2 Hausmüttern und 2 jungen «Töchtern», welche früher selber in der Grossfamilie lebten und die nun Angestellte sind, wurde ich in allerlei Alltagsarbeiten eingeführt.
Neben all den Hausarbeiten und meinem „neu Kochen lernen“, besteht mein Alltag größtenteils darin, mich um das Wohlbefinden und die Anliegen der Kinder zu kümmern.
Alles was in einer «normalen» Familie geschieht, erlebe ich auch hier: Das Entgegennehmen der Kinder nach der Schule, das Ins-Bett-Bringen oder Begleiten, Wunden versorgen, Ratschläge geben oder Aktivitäten erleben…
Vor allem ist mein Alltag jedoch von Freude, Lachen und witzigen Diskussionen geprägt.
Anfangs war es nicht immer einfach, einen Zugang zu jedem Kind zu finden. Mein persönliches Anliegen war es immer, eine ganz individuelle Beziehung zu jedem zu haben, so dass sich alle „gesehen“ und „geschätzt“ fühlen. Jedes Kind hat jedoch sein eigenes Tempo, und manche Kinder haben durch verschiedene Traumata Schutzfunktionen aufgebaut, um von niemandem enttäuscht oder verletzt zu werden.
Gott hat mich in all diesen Prozessen jedoch sehr gestärkt, mir Geduld und viel Liebe geschenkt, trotz aller Reaktionen.
Während meines Volontariats ist Barbara aufgrund einer Weiterbildung größtenteils nicht in Kenia. So durfte ich ganz besonders lernen, mich ganz auf Gott zu stützen, wenn ich gefordert oder auch überfordert war. Bei ihm kann ich jede Bürde deponieren!
Besonders eindrücklich waren auch Erlebnisse außerhalb der geschützten Familienoase. Während Besuchen bei externen Familien in totaler Armut, bei Spitalterminen oder ernsten Gesprächen mit Lehrpersonen.
Auch durfte ich Teil sein des Prozesses einer „Neuaufnahme“ eines 14-jährigen Jungen, anfang Januar und vieles mehr.
Es war nicht immer einfach, zu erleben, wie die Mehrheit der Kinder in diesem Land lebt, im Vergleich zu unseren Kindern hier in der Familie. Dort hat mir Barbara jedoch sehr geholfen. Man kann nur sein Bestes geben und muss lernen, loszulassen. Die Früchte des Segens, die Gott verspricht, reichen über Hunderte von Generationen hinweg.
Hier durfte ich eine neue Familie finden. So viele kleine Schwestern und Brüder, die nun einen ganz, ganz tiefen Platz in meinem Herzen haben. In zwei Wochen geht es für mich zurück in die Schweiz, … … und mir graut es vor dem Wohlstand, der mich wieder erwarten wird. Wie meine Zukunft mit diesem Land und vor allem meiner Familie hier aussehen wird, weiß nur der Herr.
Was ich hier erlebt habe, bewahre ich für immer. Mein größtes Zeugnis sind all diese Beziehungen hier. Ein holpriger Weg, der sich mehr als gelohnt hat. Es liegt ein unglaublich großer Segen darin, Gott dienen zu dürfen und aus seiner Gnade heraus immer wieder fallen und aufgehoben werden zu dürfen.
Nun hoffe ich, dass du einen kurzen Einblick in meine Zeit hier gewinnen konntest.
Ich möchte dich ermutigen, auf deinem persönlichen Weg mit Jesus. Er ist es, der deine Familie und Heimat ist, egal wo du dich befindest. Dort, wo du zur Ruhe kommen darfst.
Sarah Noa